Klinik für Augenheilkunde
Aktuell laufende Studien
In der Augenheilkunde werden verschiedene Erkrankungen zunehmend mit sehr gezielt wirkenden Medikamenten behandelt. Um deren Zulassung zur Behandlung in Europa und Deutschland zu erlangen, sind Studien notwendig, die diese neuen Medikamente auf ihre Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit prüfen. Das Klinikum Chemnitz unterstützt diese Studien durch aktive Teilnahmen. Welche Patienten behandelt werden können, werden in den einzelnen Beschreibungen zu den Studien im Folgenden dargestellt.
WAVE-Studie
Eine Beobachtungsstudie zur Auswertung der Ergebnisse der Behandlung einer exsudativen (feuchten) altersabhängigen Makuladegeneration mit dem neuen hochwirksamen Medikament Lucentis. Es werden die Sehkraft, Lebensqualität und Verträglichkeit des Medikamentes vor, während und ein Jahr nach der Behandlung analysiert.
SFM-Studie
Die Hornhauttransplantation wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt und ist die häufigste Transplantation überhaupt. Moderne Labormethoden machen es möglich, dass die von Spendern gewonnenen Transplantate bis zu vier Wochen unter speziellen Bedingungen kultiviert, d.h. bis zur Operation aufbewahrt werden können. Dies ist die so genannte in vitro Gewebekultur von Spenderhornhäuten, die gewährleistet, dass die Transplantate auf Sicherheit, Qualität und auf Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger untersucht werden können.Das Kultivierungsmedium spielt eine entscheidende Rolle bezüglich der Lebensdauer und Qualität des Transplantates. Dieses Medium ist eine spezielle Nährlösung, in der die Hornhaut-Transplantate bis zum Tag der Transplantation aufbewahrt werden. Es enthält verschiedene Substanzen, die für die Erhaltung der Lebensfähigkeit des Transplantates wichtig sind. Mit den bisher üblichen Medien nimmt leider die Qualität des Transplantates mit verlängerter Kultivierung (länger als vier Wochen) ab. Gemessen wird dieses anhand der Endothelzelldichte und dient als wichtigstes Qualitätsmerkmal.Das Ziel dieser Prüfung soll sein, die Qualität der in diesem herkömmlichen Medium gelagerten Transplantate mit der Qualität der im neu entwickelten serum-freien Medium (SFM) kultivierten Transplantate zu vergleichen. Das serum-freie Medium wird nicht mit Rinderserum versetzt, wie die bisherigen Medien und damit entfällt eine mögliche Quelle für Infektionen.Diese Prüfung beruht auf Forschungsergebnissen die u.a. aus der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe von Frau Prof. Engelmann stammen. Hierbei konnte gezeigt werden, dass bei Spenderhornhäuten, die in dem serum-freien Medium gelagert wurden, ein geringerer Endothelzellverlust über die Dauer der Organkultur stattgefunden hat und die Hornhäute über einen wesentlich längeren Zeitraum konserviert werden konnten.
Bei Teilnahme an dieser Prüfung werden die Patienten nach dem Zufallsprinzip einer der beiden zu untersuchenden Gruppen zugeteilt. Die der einen Gruppe zugeteilten Personen erhalten ein Transplantat, welches im herkömmlichen MEM kultiviert wurde. Die der anderen Gruppe zugeteilten Personen erhalten ein Transplantat, das im serum-freien Medium kultiviert wurde. Die Qualität der verwendeten Hornhäute entspricht selbstverständlich, unabhängig in welchem Medium sie kultiviert wurden, den üblichen Qualitätskriterien für Hornhauttransplantate.
Übersicht: SFM-StudieRekrutierungspool: Patientinnen/Patienten mit klinisch nachgewiesener Fuchs´sche Endotheldystrophie oder sekundärer Endotheldekompensation und geplanter Hornhauttransplantation Rekrutierungszeit: 18 Monate Dauer der Studie: 24 Monate Status der Studie: Geplanter Beginn der Rekrutierung Oktober 2008, bislang werden noch keine Patienten eingeschlossen (Rekrutierung wurde noch nicht begonnen)ClinicalTrials.gov Identifier: NCT00623584 Finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) EN 168/11-1
RESTORE-Studie
Bei der RESTORE-Studie handelt es sich um eine randomisierte, doppelt maskierte, multizentrische Phase III-Studie, welche die Sicherheit und Effektivität von Ranibizumab (Lucentis) als Zusatztherapie zur Laser Photokoagulation und/oder als Monotherapie bei Patienten mit Visusverschlechterungen hervorgerufen durch ein diabetisches Makulaödem untersucht.Das primäre Ziel der Studie ist der Nachweis der Überlegenheit von Ranibizumab 0,5 mg als Zusatz- und/oder Monotherapie zur Lasertherapie in Bezug auf die mittlere Änderung der bestmöglichen korrigierten Sehschärfe Visus (BCVA) zur Baseline über eine 12-monatige Behandlungsdauer.
Einbezogen in die Studie werden Patienten, die älter als 18 Jahre sind und einen Typ I oder II-Diabetes mit stabilem HBA 1C-Level ( 10,0 Prozent bei Visite 1) aufweisen. Ein Auge sollte ein diabetisches Makulaödem mit Beteiligung des Zentrums aufweisen. Der Visus auf dem Studienauge soll 0,12 - 0,7 betragen. Die genauen Studienbedingungen werden dann bei der Visite des Patienten mit den Prüfärzten abgeklärt. Erst dann ist ein Einschluss in die Studie möglich.
Übersicht: RESTORE-StudieEnde der Rekrutierungszeit: Mitte Dezember 2008 Dauer der Studie: 12 Monate Anzahl der Studienvisiten: 14 Verantwortliche Ärzte: Prof. Dr. med. Katrin Engelmann, Simo Murovski(s.murovski@skc.de), Ilya Kotomin(i.kotomin@skc.de)
GALILEO-Studie
Venöse Gefäßverschlüsse (Venenastverschlüsse und Zentralvenenverschlüsse) an der Netzhaut sind die häufigsten Gefäßverschlüsse am Auge. Oft kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einer Schwellung der Netzhautmitte (Makulaödem). Hierdurch entsteht eine weitere Minderung der Sehfähigkeit. Bei der GALILEO-Studie handelt es sich um eine randomisierte, doppelt maskierte, multizentrische Phase III-Studie, welche die Sicherheit und Effektivität von VEGF Trap Eye als Monotherapie bei Patienten mit Visusverschlechterungen hervorgerufen durch ein Makulaödem nach Zentralvenenverschluss untersucht. In den ersten 6 Monaten erfolgt monatlich eine intravitreale Injektion von VEGF Trap Eye 2,0mg. In den nächsten 6 Monaten ist eine erneute Therapie oder Lasertherapie möglich. Das primäre Ziel der Studie ist der Nachweis eines Visusanstieges nach 6 monatiger Behandlungsdauer im Vergleich zum Ausgangsvisus.Einbezogen in die Studie werden Patienten, die älter als 18 Jahre sind und unter einem bislang unbehandelten Zentralvenenverschluss leiden. Der Visus auf dem Studienauge soll 0,06 - 0,5 betragen. Die genauen Studienbedingungen werden dann bei der Visite des Patienten mit den Prüfärzten abgeklärt. Erst dann ist ein Einschluss in die Studie möglich.
Übersicht: GALILEO-StudieEnde der Rekrutierungszeit: Mitte 2010 Dauer der Studie: 24 Monate Anzahl der Studienvisiten: 17 Status der Studie: Beginn der Rekrutierung Oktober 2009 Verantwortliche Ärzte: Prof. Dr. med. Katrin Engelmann, Simo Murovski (s.murovski@skc.de), Ilya Kotomin (i.kotomin@skc.de)
Allgemeines zu klinische Forschung
Ein neues Medikament kann erst zugelassen werden, wenn es in klinischen Prüfungen seine Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit bewiesen hat. Mit dem Begriff "klinische Prüfung" werden Untersuchungen eines Arzneimittels am Menschen bezeichnet.
Bevor allerdings überhaupt Patienten ein neues Medikament erhalten dürfen, müssen bereits etliche Untersuchungen im Reagenzglas, in Zellkulturen und schließlich an Tieren erfolgreich verlaufen sein. Erst dann können die klinischen Prüfungen beginnen, deren Bedingungen durch zahlreiche nationale und internationale Vorschriften geregelt sind. Dabei steht die Sicherheit des Patienten immer an erster Stelle. So können Studienteilnehmer sicher sein, dass sie keinem unnötigen Risiko ausgesetzt werden.
Im weiteren Verlauf finden Sie allgemeine Informationen zu klinischen Prüfungen und zur Arzneimittelforschung.
Patientenaufklärung
So gelten auch in Deutschland die "Grundsätze für die Durchführung der klinischen Prüfung von Arzneimitteln". Demnach muss jeder Patient vor Aufnahme in die Studie ausführlich informiert werden. Dabei bespricht der Prüfarzt mit dem Patienten, wie die Prüfung genau abläuft, welchen Nutzen der Patient hat und welche Risiken bestehen. Er erhält diese Informationen auch in schriftlicher Form und erhält Gelegenheit, mögliche Fragen mit dem Arzt zu klären.
Der Patient muss informiert werden und zustimmen, dass seine Daten während der Studie durch bevollmächtigte Personen und durch Behörden geprüft werden können, dass diese Daten jedoch absolut vertraulich behandelt werden und nicht in die Öffentlichkeit gelangen können. Auch über eine für die Dauer der Studie abgeschlossene Versicherung erhält der Patient Auskunft.
Patienteneinwilligung
Wenn der Patient an der Prüfung teilnehmen möchte, erteilt er schriftlich seine Einwilligung und bestätigt mit seiner Unterschrift, dass er sich freiwillig entschlossen hat, an der Studie teilzunehmen. Er hat jederzeit das Recht, ohne Angabe von Gründen seine Einwilligung zurückzuziehen und aus der Studie auszuscheiden, ohne dass ihm dadurch Nachteile entstehen.
Arzneimittelgesetz und Ethik-Kommissionen
Auch das Arzneimittelgesetz schützt den Patienten ausdrücklich vor ärztlich nicht vertretbaren Risiken. Es dürfen nur medizinisch Methoden angewendet werden, deren Wirksamkeit in Studien zweifelsfrei belegt wurden und deren Risiken hinreichend zuverlässig beurteilt werden können. Außerdem darf die klinische Prüfung eines Medikamentes nur durchgeführt werden, wenn eine unabhängige Ethik-Kommission ihre zustimmende Beurteilung abgegeben hat.
Prüfung am Menschen
In vier Testphasen stellt das neue Medikament seine Wirkung unter Beweis.
Phase I
Sind alle Genehmigungen für den Test des neuen Wirkstoffs am Menschen eingeholt worden, wird das Medikament zunächst gesunden Personen verabreicht. Ziel der klinischen Pharmakologen ist es, anhand von Blut- und Urinproben sowie anderen Werten Aussagen über die Verträglichkeit, die Verteilung und den Abbau im Körper sowie die Ausscheidung des Stoffes treffen zu können und die Wirkungsweise zu analysieren.
Der Pharmakologe verabreicht zunächst eine sehr niedrige Dosis und steigert diese allmählich bis zu der Dosis, die ohne ernstere Nebenwirkungen bleibt. Erweist sich das Medikament als wirksam, gut verträglich und unbedenklich für den Menschen, geben die Wissenschaftler das Medikament frei für die Prüfung am Kranken (Phase II).
Phase II
In Phase II erhält eine Testgruppe von bis zu 500 Kranken das neue Arzneimittel, um den therapeutischen Effekt zu überprüfen. Ausgewählt werden nur Patienten in Kliniken, die über erfahrene Ärzte und die entsprechenden Untersuchungsmethoden verfügen.
Phase III
Danach geht das Medikament in Phase II, das heißt in die breite klinische Erprobung: Hier werden schließlich mehrere tausend Patienten behandelt, um die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit auch bei längerer Anwendung des Mittels abzuklären. Auch selten auftretende Nebenwirkungen werden in diesem Zusammenhang aufgedeckt.
Phase IV
Die Wirksamkeit neuer Medikament wird stets im Vergleich getestet: entweder zu einem bisher üblichen Arzneimittel, einem Standardmedikament, oder im Vergleich zu einem Scheinpräparat, einem so genannten Placebo. Ein Placebo wird aber nur dann eingesetzt, wenn die Schwere der Erkrankung dies zulässt und kein Standardmedikament existiert. Erst dann ist eine Placebo-Gabe ethisch vertretbar. Sie hat den Vorteil, dass die Wirkung des neuen Medikaments von anderen Effekten - wie beispielsweise einer Erwartungshaltung - unterschieden werden kann.
Bei einem Vergleich muss sichergestellt sein, dass weder der Studienteilnehmer noch der Arzt wissen, welcher Patient das Prüfmedikament und welcher Patient das Standardmedikament bzw. Placebo erhält. Um dies zu gewährleisten, sind beide Medikamente "verblindet", d.h. sie sehen absolut gleich aus.
Nach dem Zufallsprinzip wird entschieden, welches Medikament die Patienten erhalten.
Qualitätssicherung
Neben der Sicherheit des Patienten steht die Qualitätssicherung und damit die Glaubwürdigkeit der Daten während der klinischen Prüfung an erster Stelle. So beschreiben beispielsweise die "Gute Klinische Praxis" (GCP) Empfehlungen der EU oder die Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes (WHO) die Mindeststandards, die Studien zu therapeutischen Methoden zu erfüllen haben. Alle Befunde und Beobachtungen, aber auch die Schlussfolgerungen müssen korrekt nachvollziehbar sein. Die Forscher müssen genau festlegen, wie sie mit den Daten von den Patienten verfahren, die aus der Studie ausscheiden, und wie über diese Fälle berichtet wird.
Alle Prüfstellen, Einrichtungen einschließlich Labors sowie alle Originaldaten und Dokumentationen müssen den zuständigen Behörden stets zugänglich sein.
Kontakt
Klinikum Chemnitz gGmbH
Klinik für Augenheilkunde
Flemmingstraße 2
09116 Chemnitz
Anfahrtsskizze (PDF)Chefärztin
Prof. Dr. med. habil. Katrin Engelmann
Chefarztsekretariat
Anja Päßler
Telefon: (0371) 333-33230
Fax: (0371) 333-33223
E-Mail: augenklinik@skc.de