Hilfe bei genetischem Risiko: Neue Sprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs

| Datum: Freitag, den 14.08.2026 um 09:00 Uhr

Brust- und Eierstockkrebs gehören zu den häufigsten Krebsarten bei Frauen. Wenn diese Erkrankungen in der Familie gehäuft auftreten, kann eine erbliche Veranlagung die Ursache sein. Um das persönliche Risiko individuell einzuschätzen und Krebs oder Vorstufen möglichst früh zu erkennen, bietet PD Dr. Paul Gaß, Chefarzt unserer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, eine spezialisierte Sprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs (FBREK) an. Seit dem Start im März ist die Sprechstunde erfolgreich angelaufen und hat sich bei den Betroffenen und ihren Angehörigen schnell etabliert. Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Während die sogenannten Keimbahn-Testungen am Blut bereits seit Längerem angeboten werden, konzentriert sich die neue Sprechstunde gezielt auf die Befundberatung von Krebspatientinnen und -patienten, bei denen eine Genmutation festgestellt wurde. Für gesunde Ratsuchende ohne Krebserkrankung sieht das Gendiagnostikgesetz einen anderen Weg vor. Die vorsorglichen Keimbahn-Testungen finden in der genetischen Sprechstunde des Zentrums für Diagnostik statt.

„Alles beginnt mit einer sorgfältigen Familienanamnese. Anhand von Checklisten der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) prüfen wir gezielt, ob die Kriterien für eine genetische Testung erfüllt sind“, erklärt PD Dr. Gaß. Doch nicht nur die Vererbung zählt: Bestimmte Tumorbiologien machen eine Keimbahntestung zwingend erforderlich – selbst wenn in der Familie bisher kein Fall aufgetreten ist. Dies betrifft Patientinnen mit Eierstockkrebs bis zum 80. Lebensjahr, Patientinnen mit Brustkrebs und einer triple-negativen Biologie (TNBC) bis zum 70. Lebensjahr sowie männliche Brustkrebspatienten.

Erfüllt die Patientin oder der Patient die festgelegten Kriterien, ist die genetische Testung eine Leistung der Krankenkassen. Die Diagnostik folgt den Standards des Deutschen Konsortiums für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Dabei werden genetische Testverfahren wie BRCA-Analysen durchgeführt und gezielt Gene analysiert, die das Risiko für Brust-, Eierstock- oder Gebärmutterkörperkrebs deutlich erhöhen. Über unsere beiden zertifizierten Zentren – das Brustzentrum und das Gynäkologische Krebszentrum – wird die Testung empfohlen und in spezialisierten humangenetischen Laboren der Universitätsklinika in Leipzig oder Dresden durchgeführt. Die Ergebnisse werden anschließend persönlich in der FBREK-Sprechstunde besprochen, die alle zwei Wochen freitags von 8 Uhr bis 11 Uhr stattfindet.

Die Beratung dient als Entscheidungshilfe: PD Dr. Gaß erklärt den Patientinnen und Patienten verständlich alle Befunde und entwickelt mit ihnen gemeinsam einen individualisierten Plan, der von einer intensivierten Früherkennung von Tumoren bis hin zu prophylaktischen Operationen reichen kann. Abschließend erhalten die beratenen Patientinnen und Patienten einen Arztbrief, der die umfangreichen Empfehlungen aus der Beratung zusammenfasst und weitere Kontaktmöglichkeiten aufführt, darunter Selbsthilfegruppen wie das BRCA-Netzwerk. Für die Vereinbarung eines Sprechstundentermins ist die Klinikkoordination telefonisch unter 0371 333-22292/-22291 oder per E-Mail unter anmeldung.frauenklinik@skc.de zu erreichen.

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