Hilfe für Niklas: Behandlung von Krebs bei Kindern am Klinikum Chemnitz

| Datum: Montag, den 08.06.2026 um 09:44 Uhr

Bei der U7 – einer der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder – berichteten Niklas’ Eltern erstmals von Auffälligkeiten in seiner Entwicklung. „Er wirkte unsicherer beim Laufen, war tollpatschiger als sonst und oft reizbar“, erinnert sich Aleksandra Tröbs. Gleichzeitig war er müde und suchte viel Nähe, was die Eltern zunächst mit einem Entwicklungsschub und der Eingewöhnung in den Kindergarten in Verbindung brachten.

Auch die Kinderärztin nahm die Beobachtungen ernst. Da jedoch typische Warnzeichen wie Übelkeit oder Erbrechen fehlten und die Beschwerden zunächst nicht eindeutig einzuordnen waren, empfahl sie, Niklas’ Entwicklung weiter aufmerksam zu beobachten. In den folgenden Wochen wurden die Auffälligkeiten jedoch deutlicher. Die zunehmenden Veränderungen führten die Familie zurück in die Kinderarztpraxis.

Anfang des Jahres überwies die Kinderärztin Niklas schließlich mit hoher Dringlichkeit zu Dr. med. Frauke Hornemann in die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Chemnitz zur neuropädiatrischen Begutachtung. Es folgten zahlreiche Untersuchungen und im Februar schließlich die Diagnose: Niklas hatte einen großen Tumor im Bereich des Hirnstamms und des Kleinhirns, der einen Hirnwasseraufstau und Bedrängung wichtiger Hirnareale zur Folge hatte. Eine Operation war unumgänglich und der Tumor wurde erfolgreich entfernt. Ein Medulloblastom der Gruppe 3 wurde festgestellt – ein aggressiver Hirntumor.

Hirntumore bei Kindern zweithäufigste Entität
„Hirntumore gehören nach den Tumoren der blutbildenden Organe zu den häufigsten kindlichen Tumorgruppen, sind, verglichen mit Erwachsenen, aber eher selten“, sagt Prof. Dr. Matthias Kirsch, Chefarzt unserer Klinik für Neurochirurgie. Medulloblastome kommen bei rund 6 von einer Million Kindern vor. „Unabhängig von der Entität bedürfen Tumore bei Kindern einer speziellen Diagnostik und einer spitzenmedizinischen Therapie. Dafür ist an Technik, Personal und Expertise am Klinikum Chemnitz alles vorhanden. Um die betroffenen Kinder und deren Familien bestmöglich und individuell zu versorgen, haben wir gerade ein eigenes Tumorboard für Krebs bei Kindern etabliert“, so Prof. Kirsch. Board steht für Fallkonferenz. Dabei sitzen regelmäßig Experten verschiedener medizinischer Disziplinen zusammen, um von aktuellen Erkrankungsfällen Diagnostik und Therapie zu besprechen und ihre jeweilige Perspektive in die optimale Behandlung einzubringen.

 „Wir entwickeln aktuell ein Kinderonkologie-Zentrum“, sagt MUDr. Jozef Zlocha. Er ist Leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Abteilung pädiatrische Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie. Pro Jahr werden hier rund 30 bis 40 Kinder mit den unterschiedlichsten Krebsarten behandelt, aktuell sind regelmäßig fünf bis sieben Kinder auf der kinderonkologischen Station. Niklas gehört aktuell immer wieder dazu. Nach seiner letzten von insgesamt fünf Operationen, bei denen die Neurochirurgen Florian Liebert und Dr. Sven-Axel May den Tumor am Kleinhirn restlos entfernt haben, hat der Zweijährige kürzlich seinen dritten Chemotherapie-Zyklus gestartet. „Damit wollen wir sicherstellen, dass eventuell verbliebene Tumorzellen in Niklas‘ Körper zerstört werden“, erklärt der Kinderonkologe. Für die Chemotherapien ist der Junge immer nur ein paar Tage gemeinsam mit seiner Mutter auf Station. Dann geht es wieder nach Hause. Dort erholt sich Niklas – unterstützt von seinen Eltern und dem großen Bruder – von der belastenden Therapie und sammelt Kraft für den letzten geplanten Aufenthalt bei uns im Haus.

Freundin organisiert Spendenaktion
„Niklas spricht zunehmend und setzt alles daran, wieder laufen zu lernen. Auf der Kinderonkologie hat er bereits ein kleines Dreirad für sich entdeckt. Jeder Fortschritt und jede zurückgewonnene Fähigkeit sind für uns ein wertvoller Erfolg“, erzählt Aleksandra Tröbs. Die Chemnitzerin ist seit Anfang des Jahres rund um die Uhr für ihren Sohn da, ihre Arbeit lässt sie ruhen. Um die Familie in dieser Ausnahmesituation finanziell zu unterstützen, hat eine Freundin bei gofundme.de eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Dort sind seit Mitte Mai mehr als 32.000 Euro zusammengekommen. „Erst wollten wir das nicht. Wir nagen nicht am Hungertuch, auch wenn uns gerade ein Einkommen fehlt“, sagt Vater Christian Tröbs. Aber für Extras wie einen gemeinsamen Urlaub oder andere Abwechslung vom Alltag sei gerade kein Spielraum. „Dabei ist die gemeinsame Zeit als Familie für uns enorm wichtig.“ Deshalb hätten sie der Spendenaktion schließlich zugestimmt. „Es hat uns überwältigt zu sehen, wie viele, auch unbekannte Menschen uns in dieser Zeit unterstützen. Das gibt uns unheimlich viel Kraft.“

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