Junge Krebspatientin profitiert von Kooperation von Klinikum Chemnitz und Uniklinikum Dresden

| Datum: Sonntag, den 11.10.2026 um 09:00 Uhr

2023 litt Sandy Lützelberger unter unklaren Symptomen, wie Haarausfall, Knochenschmerzen, Nackensteifheit, Kopfschmerzen. Eines Nachts kam Luftnot hinzu, morgens hatte die damals 34-Jährige plötzlich Fieber. Die Mutter von fünf Kindern kam zur Abklärung ins Klinikum Chemnitz. Dort diagnostizierte man eine Herzmuskelentzündung. Sandy Lützelberger wurde im Kardiologischen Zentrum behandelt und noch in derselben Nacht in die Hämatoonkologie verlegt. Man diagnostizierte Anzeichen im Knochenmark, die für eine Leukämie sprechen könnten. Nach einer Knochenmarkpunktion stand die Diagnose fest: akute myeloische Leukämie (AML). „In diesem Moment ist für mich eine Welt zusammengebrochen“, erinnert sich Sandy Lützelberger. „Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass mir über Jahre Krankenhausaufenthalte bevorstanden.“

In Deutschland erkranken jährlich etwa drei bis vier von 100.000 Menschen an der so genannten Leukämie, bei der sich weiße Blutzellen unkontrolliert vermehren, was die Blutbildung torpediert. Auch bei Sandy Lützelberger. Für sie folgte eine detaillierte Diagnostik mit zahlreichen Zusatzuntersuchungen in der Hämatoonkologie bei Chefarzt Prof. Mathias Hänel. „Ziel war es, dezidierte Behandlungsstrategien festzulegen. Wir haben eine Zytogenetik gemacht sowie molekulargenetische Untersuchungen durchgeführt. Da es sich bei Frau Lützelberger um eine so genannte ‚Good-Risk-Patientin‘ mit einer guten Prognose handelte, konnte die Behandlung ausschließlich mit Chemotherapie, aber ohne primäre Stammzelltransplantation eingeleitet werden.“

Von September 2023 bis Januar 2024 bekam die junge Frau Chemotherapeutika in vier Zyklen. Danach war das Knochenmark frei von bösartigen Zellen. Die Krankheit war nicht mehr nachweisbar. Allerdings zeigte sich im Juni 2024 bei molekularen Untersuchungen, dass es erneut veränderte Zellen gab. Im Juli wurde daher in einem gemeinsamen Tumorboard mit den Kollegen der Universitätsklinik Dresden besprochen, dass jetzt die Indikation für eine allogene Stammzelltransplantation bestand, also Stammzellen einer anderen Person. Die intensive Kooperation der beiden hämatoonkologischen Zentren in Dresden und Chemnitz gibt es mittlerweile seit etwa 30 Jahren, ab 2019 haben sich die Experten zu einem Zentrum für Zell- und Immuntherapie Chemnitz-Dresden (CCI-CD) zusammengeschlossen. Mittlerweile wurde dieses Zentrum durch das Joint Accreditation Committee ISCT and EBMT (JACIE) akkreditiert, eine der europaweit anspruchsvollsten Zertifizierungen, was die exzellente Qualität der Behandlungsdurchführung bestätigt.

Nach dem Tumorboardbeschluss konnte erstaunlich schnell ein passender Spender für die Patientin identifiziert werden. Ende August 2024 wurde Sandy Lützelberger transplantiert. Am 9. September 2024 waren die Stammzellen angewachsen – ein erstes Aufatmen. Im Januar 2025 traten jedoch erneut Probleme auf, wieder fanden sich bösartige Zellen im Knochenmark. Auch die Chemnitzer Mediziner waren enttäuscht. „Wir mussten erneut verschiedene Optionen im CCI-CD-Tumorboard diskutieren und gegeneinander abwägen“, erklärte Prof. Hänel. Es wurde ein neuer Spender gesucht. Der bisherige kam nicht infrage, da die Leukämie bereits einmal zurückgekommen war. Es folgten Chemotherapien und am 24. Oktober 2025 eine erneute Transplantation. Kombiniert wurde diese mit Medikamenten und einer Ganzkörperbestrahlung, um einerseits die Krebszellen zu bekämpfen und andererseits das gute Anwachsen der neuen fremden Stammzellen zu erleichtern.

Die Kooperation mit der Uniklinik Dresden machte es möglich, Sandy Lützelberger in eine medizinische Studie aufzunehmen. Dadurch erhält sie nun ein Medikament, das gegen die Zellveränderung wirken soll, die nach der ersten Transplantation neu in ihrem Körper aufgetreten war und den ersten Behandlungserfolg zunichtemachte. Die neue Therapie scheint anzuschlagen. Und nach dem langen Auf und Ab hat Sandy Lützelberger zu neuer Gelassenheit gefunden: „Das Leben ist zu kurz, um sich oft zu ärgern.“

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