Wie geschlechtersensible Medizin moderne Krebstherapien noch wirksamer macht

| Datum: Dienstag, den 08.09.2026 um 09:00 Uhr

Die Wirksamkeit eines Krebsmedikaments und das Auftreten schwerer Nebenwirkungen hängen unter anderem davon ab, ob ein Mann oder eine Frau behandelt wird. Obwohl das biologische Geschlecht in der Medizin oft über den Erfolg einer Behandlung entscheidet, wurde dieser Faktor in klinischen Studien lange Zeit zu wenig berücksichtigt. Eine im Juli 2026 in der Ausgabe des Sächsischen Ärzteblatts veröffentlichte Übersichtsarbeit von Dr. Paul Warncke, dem wissenschaftlichen Leiter unseres Zentrums Klinische Studien (ZKS), verdeutlicht den großen Einfluss des Geschlechts. Der gemeinsame Artikel mit verschiedenen Partnern des Klinikums – darunter das Institut für Pathologie und die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Zelltherapie – und Partnern aus dem regionalen SaxoCell-Netzwerk zeigt, dass bei modernen Immun- und Zelltherapien das biologische Geschlecht künftig viel stärker berücksichtigt werden muss, um Krebstherapien noch individueller und zielgerichteter zu machen.

Schon bei klassischen Chemotherapien verarbeiten und bauen Frauen Wirkstoffe anders ab als Männer. Das führt im Blut oft zu höheren Wirkstoffkonzentrationen und in der Folge zu häufigeren und schwereren Nebenwirkungen. Dennoch wird die Dosierung von Krebsmedikamenten meist noch pauschal über die Körperoberfläche berechnet, ohne geschlechtsspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Noch deutlicher werden diese Unterschiede bei innovativeren Therapiemethoden. Da das Immunsystem von Frauen von Natur aus aktiver ist, sprechen sie anders auf moderne Immun- und Zelltherapien an als Männer. Das kann ein großer Vorteil für den Behandlungserfolg sein, erhöht aber gleichzeitig das Risiko für unerwünschte Überreaktionen des Körpers. Bei neuartigen CAR-T-Zelltherapien, bei denen körpereigene Abwehrzellen im Labor gentechnisch für den Kampf gegen den Krebs modifiziert werden, zeigen erste Daten, dass auch hier eine potentielle Rolle des Geschlechtes relevant ist. Trotz dieser Erkenntnisse zur Geschlechtersensibilität sind weibliche Patientinnen in klinischen Studien zur Krebsforschung nach wie vor deutlich unterrepräsentiert.

Für die Forschenden steht deshalb fest: Personalisierte Medizin muss das Geschlecht künftig viel stärker berücksichtigen. Die Veröffentlichung ist ein weiterer Baustein in den wissenschaftlichen Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Geschlechtersensible Medizin am Klinikum Chemnitz, die sich für geschlechtergerechte Ansätze in Forschung, Lehre und Patientenversorgung einsetzt.

Interessierte Fachkolleginnen und Fachkollegen können das Thema „Geschlechterspezifische Unterschiede bei Immun- und Zelltherapien“ im Rahmen einer Fortbildung vertiefen. Dr. Paul Warncke referiert dazu am heutigen 8. September um 12 Uhr im Studienzentrum in Leipzig. Mehr Informationen gibt es hier: https://eveeno.com/saxocellclinics

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