Dresdner Straße 178
Für Erwachsene: 0371 - 333 12600 (Haus 2) Für Kinder: 0371 - 333 12200 (Haus 8)Für alle dringenden und lebensbedrohlichen medizinischen Notfälle (Flemmingstraße 2)
Telefon 0371 - 333 35500Für kardiologische Notfälle (zum Beispiel Herzinfarkt)
Telefon 0172 - 377 2436Flemmingstraße 2 (N022/Haus 1)
Telefon 0371 - 333 36328Bereitschaftspraxis der KVS
Allgemeinmedizinischer BehandlungsbereichFlemmingstraße 4, Haus B (Zugang über Seiteneingang Haus B)
weitere Informationen unter: bereitschaftspraxen.116117.de
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Es klingt unvorstellbar, ist aber wahr: Wusstet ihr, dass eine Gewebespende aus der Plazenta dabei helfen kann, schwere Verletzungen am Auge zu heilen? Bei der sogenannten Amnionmembrantransplantation (AMT), einem etablierten chirurgischen Verfahren in der Augenheilkunde, wird die innere Schicht der plazentaren Fruchtblase (Amnionmembran) auf die Augenoberfläche transplantiert.
Das Gewebe stammt von gesunden Müttern, die nach einem geplanten Kaiserschnitt ihre Plazenta freiwillig spenden. Die Präparate werden über die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) vermittelt und bereitgestellt, mit der das Klinikum Chemnitz eng zusammenarbeitet. In spezialisierten Gewebebanken werden diese Anteile der Fruchtblase unter strengsten Arzneimittelstandards steril aufbereitet sowie kryokonserviert oder getrocknet. Das Besondere: Aus einer einzigen Plazenta können über 100 Transplantate gewonnen werden. So ist das Material rasch verfügbar, wenn ein Notfall eintritt.
Andreas Weber (Name von der Redaktion geändert) aus dem Vogtland profitierte beispielsweise von dieser operativen Methode, als er im August versehentlich Mörtel ins Auge bekam. Der 59-Jährige hatte zunächst versucht, sein Auge auszuwaschen, doch es fühlte sich unangenehm an, war rot und schmerzte beim Zwinkern. Da der Unfall am frühen Abend geschah und es in seiner Nähe keine geeignete Fachklinik gab, kam er noch spät als Notfall ins Klinikum Chemnitz. In der Klinik für Augenheilkunde wurde eine Verätzung diagnostiziert. Er blieb über Nacht und wurde bereits am nächsten Tag operiert.
„Durch die Verätzung sind tiefe Wunden in der Augenhornhaut von Andreas Weber entstanden, die mit der Plazentahaut übernäht wurden, damit diese mit den körpereigenen Zellen verwächst“, erklärt Dr. med. Stefan Mielke, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Augenheilkunde mit dem Schwerpunkt Hornhauterkrankungen. „Die Membran wird wie ein wundheilungsförderndes Pflaster auf die oberste Schicht der Hornhaut aufgenäht, um diese zu schützen. Sie hemmt Entzündungen und Schmerzen, verhindert Narbenbildung, das Eindringen von Erregern und fördert so die Heilung des Hornhautgewebes.“
Direkt nach der Operation konnte Andreas Weber zunächst nur hell und dunkel unterscheiden, doch seine Sehkraft wurde von Tag zu Tag besser. Bereits zwei Tage nach dem Eingriff wurde er nach Hause entlassen. Während das darunterliegende Gewebe verheilte, löste sich die Membran unter einer schützenden Verbandkontaktlinse von selbst auf. Zwei Wochen nach der Operation kam er zur Kontrolle in die Augenklinik. Bei diesem Arztbesuch wurden letzte Gewebereste, Fäden und die Kontaktlinse entfernt.
„Als die Linse weg war, war alles wieder wie vorher“, sagt der 59-Jährige. Er blickt sehr zufrieden auf seine Behandlung zurück: „Das Personal war super. Schon in der Anmeldung wurde ich sehr freundlich begrüßt. Die ganze Zeit habe ich mich gut aufgehoben gefühlt.“
Die AMT hat sich besonders bewährt, da es sich um eine einfache Operation handelt, die ein geringes Risikoprofil aufweist. Da keine Transplantatabstoßung droht, kann sie vielfältig eingesetzt werden. Neben Verätzungen zählen auch Hornhautdefekte, Verbrennungen und Oberflächenerkrankungen zu den häufigen Anwendungsgebieten. Seit einigen Jahren ist die Amnionmembran auch für den Einsatz außerhalb der Augenheilkunde bei Wundheilungsstörungen, wie dem diabetischen Fußsyndrom, der chronischen Ulcera oder Verbrennungen zugelassen. In Deutschland werden jährlich rund 2.500 AMT durchgeführt. In unserer Klinik für Augenheilkunde sind es etwa 150 Amniontransplantationen pro Jahr.
Alle Informationen zur Augenklinik gibt es hier.