KI „assistiert“ unseren Augenärzten bei Therapieplanung bei AMD
| Datum: Dienstag, den 07.04.2026 um 10:07 Uhr
Als erste in Deutschland setzt die Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Chemnitz künstliche Intelligenz zur Unterstützung bei der Therapieplanung von Patienten mit feuchter Altersbedingter Makuladegeneration (AMD) ein. Der vom Münchener Start-up deepeye Medical GmbH entwickelte KI-Therapieassistent deepeye® TPS unterstützt die Mediziner konkret dabei, kleinste krankhafte Veränderungen wie Flüssigkeitsansammlungen auf der Netzhaut erkrankter Patienten zu erkennen und daraus individuelle Behandlungsentscheidungen abzuleiten. In den vergangenen Wochen wurde das System in der Klinik implementiert und die Mitarbeitenden im Umgang mit der KI geschult. Das System ist nun einsatzbereit und wird ab sofort im Alltag angewandt.
AMD ist die häufigste Ursache für schlechtes Sehen und Erblindung in den Industriestaaten bei Menschen über 50 Jahren. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland über sieben Millionen Menschen daran. Bei der Erkrankung können durch zunehmende Stoffwechselstörungen und daraus folgende Abbauprozesse die verschiedenen Zelltypen der Macula lutea – dem Punkt des schärfsten Sehens („Gelber Fleck“) auf der Netzhaut – degenerieren und schließlich absterben. Es gibt zwei Formen der AMD – trocken und feucht. Die trockene Form kommt häufiger vor, ist aber medikamentös aktuell nicht behandelbar. Die feuchte AMD wird mit Injektionen behandelt, bei denen sogenannte Wachstumsfaktoren zur Hemmung der Krankheit ins Auge gespritzt werden.
Wichtig bei der Erkrankung ist neben der korrekten Diagnose die Verlaufskontrolle, um frühzeitig die Therapie individuell an den Patienten anzupassen. Dafür wird die Optische Kohärenztomographie (OCT) durchgeführt. Hier kommt das KI-Tool von deepeye ins Spiel. Es wertet die anonymisierten Bilder der einzelnen Netzhautschichten aus und stellt das Ergebnis im Verlauf mit älteren Aufnahmen desselben Patienten dar. Dabei werden vom System kleinste Veränderungen erkannt und farblich markiert. Die Auswertung steht dem behandelnden Arzt kurze Zeit später zur Verfügung.
„Das ist der entscheidende Punkt: Der KI-Therapieassistent ersetzt keinen Arzt, sondern unterstützt ihn“, sagt Manuel Opitz, Geschäftsführer bei deepeye Medical. Die KI weist den Arzt darauf hin, in welchen Netzhautschichten besonders viel Flüssigkeit vorhanden ist, und erstellt eine Textzusammenfassung zur standardisierten Dokumentation. Die Schlüsse daraus für die Therapie ziehe er selbst. „Ziel des KI-Einsatzes ist es, Krankheitsverschlechterungen nicht nur frühzeitiger zu erkennen und die Erblindung zu verzögern, sondern am besten die Entwicklung des Behandlungsbedarfs vorauszusehen und entsprechend zu behandeln“, sagt Manuel Opitz.
Prof. Dr. med. Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Augenklinik am Klinikum: „Es gibt zu wenig Augenärzte, die Leute werden immer älter, Augenerkrankungen nehmen zu – da ist ein Tool, das uns Augenärzte bei der Therapieentscheidung präzise und schnell unterstützt, von unschätzbarem Wert, um Patienten trotz schwieriger Rahmenbedingungen zügig und bestmöglich zu versorgen.“ Deepeye ist zur Vorbereitung seines Einsatzes im klinischen Alltag mit mehr als 60.000 OCT-Aufnahmen trainiert worden. „Da wir die Pilot-Klinik in Deutschland sind, wird der Einsatz der KI bei uns wissenschaftlich begleitet und ausgewertet“, ergänzt Prof. Kakkassery. „Von den daraus entstehenden Verbesserungen profitieren unsere Patienten direkt und als erstes.“