Wenn die Liebe Leben rettet: Patientin mit genetischer Nierenerkrankung gewinnt durch Organspende ihres Mannes neue Lebensqualität


| Datum: Freitag, den 13.02.2026 um 14:00 Uhr

Jahrelang prägten die Folgen der autosomal-dominanten polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD) das Leben von Ina Chleborad. Nach massiven gesundheitlichen Beschwerden und tiefgreifenden Einschnitten für die gesamte Familie ermöglichte eine Nieren-Lebendspende ihres Ehemannes Sylko eine neue Lebensqualität. Maßgeblich war dabei die Betreuung in der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen des Klinikums Chemnitz. Als regionales Zentrum für Nephrologie begleitete die Klinik die Patientin von der Diagnostik über die Vorbereitung der Transplantation bis hin zur langfristigen Nachsorge auf höchstem medizinischem Niveau.

Aufgrund ihrer familiären Vorbelastung war abzusehen, dass Ina Chleborad eines Tages an Zystennieren leiden würde. Ihr Vater war bereits von ADPKD betroffen, die durch eine Mutation der Gene PKD1 oder PKD2 verursacht wird. Da das Risiko einer Vererbung bei 50 Prozent lag, wurde sie bereits als Kind regelmäßig untersucht. „Ich fürchtete mich davor, dass mich dasselbe Schicksal ereilt wie meinen Vater, der Dialyse und Bypässe benötigte. Der Gedanke an ein durch Krankheit bestimmtes Leben beunruhigte mich“, erinnert sich die heute 58-Jährige. Die Krankheit habe ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt und sie, wie sie sagt, zehn Jahre Lebenszeit gekostet.

Lange blieb die zweifache Mutter und Physiotherapeutin beschwerdefrei, bis sie 2002 während der Arbeit plötzlich das Bewusstsein verlor. Die Ursache war Bluthochdruck – ein typisches Frühsymptom, da Zysten die Durchblutung stören und die Ausschüttung des Hormons Renin ankurbeln. Trotz der Diagnose fühlte sich die Radebergerin zunächst gut. „Erst nach etwa acht Jahren wurden die Beschwerden massiv. Lange Zeit wurde lediglich mein hoher Blutdruck gemessen und therapiert, ohne die eigentliche Ursache tiefergehend zu untersuchen. Vor meiner Betreuung im Universitätsklinikum Dresden und später im Klinikum Chemnitz fehlte über viele Jahre hinweg eine adäquate, auf mein Krankheitsbild spezialisierte Behandlung. Hier hätte ich mir früher mehr Sensibilität und fachliche Expertise gewünscht.“

Dr. Alexander Paliege, Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen des Klinikums Chemnitz, beschreibt den typischen Verlauf: „Bis etwa zum 30. Lebensjahr kompensiert gesundes Gewebe die Arbeit der Zysten. Danach nehmen die Zahl und Größe der Zysten massiv zu, sodass das Volumen der Nieren deutlich wächst, was zu Rückenschmerzen und Völlegefühl führt.“ Bei Ina Chleborad riss das Gewebe zudem teilweise ein, was Blut im Urin zur Folge hatte.

Eine gesunde Niere wiegt etwa 150 bis 200 Gramm und ist 10 bis 12 Zentimeter lang. Bei aggressiven Verläufen wachsen die betroffenen Organe jährlich um fünf bis sieben Prozent. Im Jahr 2016 sank die Organleistung schließlich unter 15 Prozent – ein Stadium, in dem die Entgiftungsfunktion des Körpers kaum noch aufrechterhalten werden kann. Diese zunehmende Niereninsuffizienz der Patientin führte zu Wassereinlagerungen, Atemnot, Übelkeit und Juckreiz. Aufgrund der massiven Organvergrößerung und wiederkehrender Entzündungen, die zu ständigen Infektionen führten, musste die linke Niere im Januar 2018 entfernt werden – auch, um im Becken den nötigen Platz für ein späteres Spenderorgan zu schaffen. Bei der Entnahme wog die Niere 3,4 Kilogramm.

Da die Wartezeiten auf ein Spenderorgan sehr lang sind und eine Lebendspende die beste Therapieoption darstellt, entschied sich ihr Ehemann, seiner Frau eine Niere zu spenden. In Vorbereitung auf die Transplantation und für den gesamten Rest ihres Lebens muss Ina Chleborad zweimal täglich Immunsuppressiva einnehmen. Da sie die Medikamente anfangs schlecht vertrug und Magen-Darm-Probleme bekam, mussten verschiedene Medikamentenkombinationen ausprobiert werden. Trotz vieler Hürden konnte die Transplantation im März 2018 erfolgreich durchgeführt werden. Sylko Chleborad, der im Anschluss ein Jahr lang arbeitsunfähig war, betont: „Mir wurde gesagt, dass aus einem gesunden Menschen ein kranker gemacht wird. Doch das hat mich nicht abgeschreckt. Für meine Frau würde ich das jederzeit wieder tun, wenn ich könnte.“ 2025 wurde auch ihre rechte Niere entfernt, da die Patientin immer wieder Blut im Urin hatte. Seitdem lebt Ina Chleborad ausschließlich mit der Niere ihres Mannes.

Die Krankheit bedeutete tiefgreifende Einschnitte für die gesamte Familie. Aufgrund von Einblutungen durfte Ina Chleborad keine Lasten mehr heben und war über lange Zeiträume hinweg arbeitsunfähig. Da ihr Körper die Belastung nicht mehr bewältigen konnte, wurde ihr Arbeitsvertrag schließlich beendet – ein schwerer Schlag, da ihr der Beruf sehr viel bedeutete. Im Jahr 2012 folgte die Berentung. Eine besonders schmerzhafte Entscheidung musste sie treffen, als sie nach ihrer Diagnose ein drittes Mal schwanger wurde: Da die Schwangerschaft lebensbedrohlich für sie war und das Kind nicht lebensfähig gewesen wäre, musste sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Auch das soziale Gefüge war betroffen. Unvorhersehbare Krankenhausaufenthalte verhinderten ein normales Familienleben, Urlaube waren nicht möglich und die Schulnoten der Kinder verschlechterten sich. „Ich bin meiner Familie für ihre Unterstützung so dankbar. Sie haben immer zu mir gehalten, obwohl sie auf vieles verzichten mussten“, sagt sie heute mit Tränen in den Augen.

Dank der fachübergreifenden Versorgung im Nephrologischen Zentrum, einer Kooperation des Klinikums Chemnitz mit dem Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH), blickt Ina Chleborad nun optimistisch nach vorn. Aufgrund ihres durch die Medikamente geschwächten Immunsystems muss sie sich besonders vor Infekten schützen. Sie achtet bei ihrer Lebensführung auf eine salzarme und gesunde Ernährung und treibt Sport. Durch Spaziergänge mit ihrem Hund ist sie viel in Bewegung. Dr. Paliege, der sie seit Jahren betreut, bestätigt: „Jetzt ist die Patientin wieder aktiver, kümmert sich um ihre Eltern und kann ein weitgehend normales Leben führen. Zur Überwachung des Allgemeinzustands, der Nierenfunktion und zur Einstellung des Blutdrucks kommt sie alle drei bis sechs Monate zur Nachsorge inklusive Ultraschalluntersuchung in die Klinik.“ Die enge Vernetzung mit ambulanten Zentren und dem Verein für Dialysepatienten stellt dabei eine medizinisch wie sozial ganzheitliche Betreuung sicher.

Um Patienten wie Ina Chleborad künftig noch besser helfen zu können, beteiligt sich das Klinikum Chemnitz an klinischen Studien zur medizinischen Forschung. Im Rahmen der bundesweiten STOP-PKD-Studie wird untersucht, ob das Medikament Dapagliflozin den Krankheitsverlauf bei Zystennieren positiv beeinflussen kann. Unser Haus ist eines von 26 Zentren in Europa, die diese von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie unterstützen. Ziel ist es, die Sicherheit und Wirksamkeit dieses Behandlungsansatzes speziell für ADPKD-Betroffene erstmals wissenschaftlich zu belegen.

Hinweis für Medienvertreter und Redaktionen: Das dieser Pressemitteilung beigefügte Bild zeigt (von links) Dr. med. Alexander Paliege, Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen des Klinikums Chemnitz, die Patientin Ina Chleborad und ihren Ehemann Sylko Chleborad. Es kann im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung und dem Bildnachweis Foto: Klinikum Chemnitz kostenfrei verwendet werden.

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