Mission Notfallmedizin: Hinter den Kulissen der 112

| Datum: Dienstag, den 26.05.2026 um 12:56 Uhr

Wenn der Pieper schrillt, zählt jede Sekunde. Sieben Uhr morgens in Chemnitz, während die Stadt erwacht, beginnt für Oberarzt Philipp Teumer ein Dienst im Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) voller unvorhersehbarer Herausforderungen. Er ist einer der Notärztinnen und Notärzte  – davon 31 aus der Anästhesie und 12 aus anderen Fachbereichen –, die das Klinikum Chemnitz stellt, um gemeinsam mit der Feuerwehr Chemnitz und den Rettungskräften die Notfallversorgung in und um die Stadt zu sichern.

Während dieses Dienstes wird Teumer, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, permanent von einem ausgebildeten Notfallsanitäter und Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr Chemnitz begleitet. An diesem Tag ist das Brandmeister Daniel Hengst. Anlässlich des Tages der Notfallmedizin haben wir das eingespielte Team begitet und einen Blick dorthin geworfen, wo medizinisches Fachwissen auf absolute Höchstleistung trifft, gesteuert und koordiniert über die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Chemnitz.

Als eine von fünf Regionalleitstellen in Sachsen koordiniert sie sämtliche Notrufe, Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze für die Stadt Chemnitz, den Erzgebirgskreis und den Landkreis Mittelsachsen. Die Feuerwehr Chemnitz betreut damit eine Region mit rund 900.000 Menschen auf einer Fläche von 4.165,27 Quadratkilometern. Dieses enorme Pensum wird im Schichtbetrieb rund um die Uhr an 18 Einsatzleitplätzen bewältigt.
In hochfrequentierten Zeiten arbeiten etwa 17 Mitarbeitende und einen Lagedienstführer parallel in der Leitzentrale, um täglich rund 3.000 Meldungen entgegenzunehmen und die Einsätze zu koordinieren.

In der Leitstelle geht ein Notruf ein: „Ältere Dame leidet unter akuter Luftnot.“ Ab dem Moment, in dem das eindringliche Signal des Funkmeldeempfängers ertönt, zählt jede Sekunde. Auf dem Display fließen die ersten Informationen zusammen, auf deren Basis noch während der Anfahrt die Strategie für den kommenden Einsatz geplant wird.

„Im Einsatzfahrzeug zu sitzen, bedeutet volle Konzentration schon vor der Ankunft am Notfallort“, erklärt Philipp Teumer. „Man geht im Kopf bereits viele Fragen durch: Was brauchen wir? Wer ist vor Ort? Wir profitieren hier von medizinischem Fachwissen und taktischem Management. Die besondere Herausforderung im Notarztdienst liegt darin, dass wir Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen mit den unterschiedlichsten Notfällen behandeln. Das Spektrum reicht vom schweren Verkehrsunfall über psychologische Ausnahmesituationen bis hin zu Notfällen bei Kindern.“

Am Einsatzort ist das Team des Deutschen Roten Kreuzes mit dem Rettungswagen bereits eingetroffen. Gemeinsam beginnen sie mit der Versorgung der älteren Patientin. Eine reibungslose Kooperation ist hier lebenswichtig. „Es ist ein Zusammenspiel von Erfahrung und Vertrauen. Der Rettungsdienst und wir ergänzen uns gegenseitig. Nur so garantieren wir die bestmögliche Versorgung von der Alarmierung bis zur Übergabe in der Zentralen Notaufnahme“, so der Mediziner. „Teamwork bedeutet hier, dass man sich fast blind versteht. Wenn ich etwas benötige, liegt es im Idealfall schon in meiner Hand, weil die Kolleginnen und Kollegen vom Rettungsdienst bereits vorausgeahnt haben, was es sein könnte. Diese Synergie zwischen dem Notarzt und allen beteiligten Einsatzkräften ist ein zentraler Baustein in der Chemnitzer Notfallversorgung.“ Da die Patientin vor Ort erfolgreich stabilisiert werden kann, ist nach Rücksprache mit den Angehörigen keine stationäre Aufnahme notwendig. Sie kann in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben.

Nach wenigen Minuten ertönt der Pieper erneut. Das NEF-Team macht sich sofort auf den Weg zum nächsten Notfall: Eine Person erleidet einen akuten Krampfanfall. Nach der erfolgreichen medizinischen Erstversorgung gilt es, den Transport in die Klinik vorzubereiten. „Das primäre Ziel an der Einsatzstelle ist es, die Transportfähigkeit des Patienten herzustellen“, erklärt Teumer.

Der Oberarzt begleitet den Patienten im Rettungswagen, der mit moderner Funktechnik und medizinischen Geräten ausgestattet ist, die dem Standard eines kleinen Schockraums entsprechen. Unter Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten (Blaulicht und Martinshorn) fährt das Team in Richtung Klinikum Chemnitz. Bei der Übergabe in der Zentralen Notaufnahme werden alle relevanten Informationen standardisiert weitergegeben, sodass der Patient im Schockraum unmittelbar weiterbehandelt werden kann.

„Der heutige Dienst verlief vergleichsweise ruhig, doch das Einsatzaufkommen variiert stark. In einer 24-Stunden-Schicht legen wir teilweise hunderte Kilometer quer durch das Stadtgebiet und das Umland zurück und sind dabei regelmäßig mit extremen medizinischen und menschlichen Situationen konfrontiert“, erklärt Teumer. „Doch wir machen diesen besonderen Job wirklich mit Leidenschaft und Freude.“

Ein großes Dankeschön gilt allen Einsatzkräften, die an 365 Tagen im Jahr, für die Versorgung unserer Region im Einsatz sind.

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