Speiseröhrenkrebs-Monat: Lengenfelderin am Klinikum erfolgreich behandelt

| Datum: Montag, den 27.04.2026 um 11:36 Uhr

„Beim Essen habe ich es gemerkt. Ich konnte immer schlechter schlucken. So, als hätte ich Angina“, erzählt Elvira Mädler. Ende 2023 ging die heute 63-Jährige schließlich zu ihrem Hausarzt. Dieser veranlasste umfassende endoskopische Untersuchungen. Die Diagnose: Speiseröhrenkrebs in lokal fortgeschrittenem Stadium. An Ösophaguskarzinomen erkranken neu in Deutschland jährlich zwischen 6.000 und 7.000 Menschen, Tendenz steigend bei Menschen über 65 Jahren. Dreiviertel der Erkrankten sind Männer. Es werden zwei Arten von Speiseröhrenkrebs unterschieden: das häufigere Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom. Elvira Mädler hat ein Plattenepithelkarzinom im oberen thorakalen Drittel der Speiseröhre. Schluckbeschwerden sind das häufigste Symptom. In der Regel ist der Krebs dann jedoch schon fortgeschritten. Eine Früherkennung durch ein Screening gibt es bislang nicht.
 
Nach der Diagnose wird die Lengenfelderin – nach der Besprechung ihres Falls im Tumorboard – direkt zur Radiochemotherapie an die Klinik für Radioonkologie am Klinikum Chemnitz überwiesen. Im April 2024 beginnen die Behandlungen. Wie sie damit umgeht? „Da muss ich jetzt durch. Ich bin eine Kämpferin. Mich hängen lassen oder aufgeben war keine Option“, sagt sie über sich selbst. Die Therapie schlägt gut an, der Tumor verkapselt sich. Einzig der unangenehme Geschmack nach Eisen machte ihr während dieser Zeit ein wenig zu schaffen.

Notfall-OP wegen Tumor-Durchbruch
 
Standardvorgehen bei dieser Art von Speiseröhrenkrebs ist Bestrahlung kombiniert mit Chemotherapie und anschließend Operation oder, abhängig von der Lage des Tumors oder der Ausbreitung des Tumors, die alleinige Radiochemotherapie. Für Elvira Mädler ist der Fall nach der Radiochemotherapie erledigt: „Ich hatte keine Probleme mehr, konnte wieder gut schlucken.“ Doch bei einer Kontrolluntersuchung stellt sich heraus, dass es bei der Patientin zum Rezidiv mit Tumor-Durchbruch kam, sodass eine Operation notwendig und notfallmäßig war. Elvira Mädler hat sich von PD Dr. med. habil. Yusef Moulla überzeugen lassen. Im September 2024 wird sie von ihm operiert.

Der 45-Jährige ist kommissarischer Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und ein ausgewiesener Experte der Ösophaguschirurgie. Da sich der Tumor im oberen Brustbereich der Speiseröhre befand, wurde die Speiseröhre minimal-invasiv (in sogenannter Schlüsselloch-Technik) größtenteils entfernt. Der Eingriff erfolgte über den Bauch, den Brustkorb und den Hals. Anschließend wurde aus dem Magen ein schmaler Schlauch (Schlauchmagen) geformt, der die Funktion der entfernten Speiseröhre übernimmt. Dieser Schlauchmagen wurde im Halsbereich mit dem verbliebenen Rest der Speiseröhre verbunden.

Aufgrund einer Entzündung im oberen Brustraum nach dem Tumordurchbruch und bei diesem komplexen Eingriff zieht sich die Heilung und Genesung nach der Operation besonders lange hin. Erst im November kann die Lengenfelderin das Klinikum Chemnitz wieder verlassen. Üblicherweise bleiben Patienten nach einer Speiseröhren-OP zehn bis 14 Tage im Krankenhaus. Nach ihrer Entlassung fährt sie zur Rehabilitation, kommt ins Nachsorge-Programm. Die letzte Nachsorge-Untersuchung war erst kürzlich, es wurden keine Krebszellen gefunden. Elvira Mädler geht es wieder gut.

Hauptrisikofaktoren sind Alkohol und Nikotin
 
Speiseröhrenkrebs ist insgesamt selten. Die Überlebenschancen sind stark vom Diagnosezeitpunkt und Begleiterkrankungen abhängig: Früh erkannt, bestehen gute Heilungsaussichten, während fortgeschrittene Stadien eine deutlich schlechtere Prognose aufweisen. Moderne multimodale Therapiekonzepte haben die Behandlungsergebnisse in den letzten Jahren jedoch deutlich verbessert. „Um schwere Komplikationen zu vermeiden, sollten sich Betroffene idealerweise in einem spezialisierten und zertifizierten Speiseröhrenkrebszentrum mit viel Expertise und Erfahrung wie bei uns am Klinikum Chemnitz vorstellen“, betont Dr. Moulla. Er ist der Leiter des von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Speiseröhrenkrebs-Zentrums im OCC am Klinikum Chemnitz.

Zur Vorbeugung empfiehlt der Chirurgie-Chefarzt, auf Tabak und Alkohol möglichst zu verzichten. „Wer Reflux oder Sodbrennen hat, sollte dies frühzeitig abklären lassen, damit daraus nicht unbemerkt ein Ösophaguskarzinom entsteht.“ Da Schluckbeschwerden oft das erste Anzeichen sind, sollten diese, vor allem, wenn sie länger andauern und nicht über Infektionen erklärbar sind, vom Hausarzt begutachtet werden.

„Frau Mädler hat wirklich Glück gehabt“, sagt Dr. Moulla. „Die Patientin musste aufgrund des Tumordurchbruchs notfallmäßig operiert werden und befand sich zum Zeitpunkt der OP bereits in einem schweren, entzündlichen (septischen) Zustand. Dies in Kombination machte die Operation besonders herausfordernd. Dass die Patientin diesen schweren Eingriff gut überstanden hat, ist ein großer gemeinsamer Erfolg. Daran beteiligt waren die Teams der Radioonkologie, der Chirurgie und der Intensivmedizin – sowie ganz wesentlich die Stärke und Mitarbeit der Patientin selbst.“

Alle Informationen zu unserem Speiseröhrenkrebs-Zentrum im Viszeralonkologischen Zentrum finden Sie hier.

Babygalerie

Babygalerie

Hier gelangen Sie zur Babygalerie von unserem Dienstleister babysmile24.

Stellenangebote

Stellenangebote

Komm in unser Team.
Hier geht es zu den offenen Stellen in unserem Karriereportal.