Wie eine Patientin durch die Schmerztherapie wieder neue Lebensqualität fand

| Datum: Mittwoch, den 25.03.2026 um 10:30 Uhr

Chronische Schmerzen im Rücken und in den Schultern begleiteten Julia Zillmann aus Mittelsachsen schon lange – eine Belastung, die viele Menschen in sitzenden Berufen teilen. Doch vor zwei Jahren verschärfte sich ihre Situation dramatisch, als sie zusätzlich Beschwerden im Bereich der Bandscheibe bekam. Sie konnte nicht einmal mehr aufstehen und wurde zur gründlichen Untersuchung ins Krankenhaus eingeliefert. Ein MRT brachte zwar Klarheit über eine Bandscheibenvorwölbung sowie einen kleinen Bandscheibenvorfall, doch warum sie kurzzeitig nicht mehr laufen konnte, blieb für die Mediziner zunächst ein Rätsel. Um eine Erklärung zu finden, suchte sie zahlreiche Ärzte auf, bis sie schließlich in der Praxis für hausärztliche Versorgung, Palliativmedizin und Schmerztherapie der Poliklinik bei Sebastian Reuter die passende Unterstützung fand. Er überwies sie an unsere Abteilung für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie. Diese setzt auf ein umfassendes Konzept, um die komplexen Ursachen und Folgen chronischer Schmerzen nach abgeschlossener Diagnostik ganzheitlich zu behandeln.

Im vergangenen Jahr absolvierte Julia Zillmann dort ein vierwöchiges, teilstationäres Programm, bei dem sie von montags bis freitags intensiv betreut wurde. Unser interdisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen, Physio-, Bewegungs- und Ergotherapeuten sowie Ernährungsberatern und Schmerzschwestern begleitete sie auf diesem Weg. Direkt bei der Aufnahme wurde in tiefgehenden Gesprächen und Untersuchungen ermittelt, wie ihr ganz individuell geholfen werden kann. Das Therapiekonzept vereint dabei viele Bausteine: von der Wissensvermittlung über Schmerz und medikamentöser Begleitung bis hin zu psychologischer Betreuung, gezielter Bewegung, Entspannungsverfahren und Ernährungsberatung. Auch regulative Maßnahmen wie das Schröpfen oder die Aromapflege gehören zum Repertoire. Ein halbes Jahr nach der Intensivphase sorgt eine Auffrischungswoche dafür, dass die Patienten gemeinsam mit den Therapeuten auswerten können, was sie individuell umgesetzt haben, was sich im Alltag bewährt hat und wo sie vielleicht noch Alternativen oder Unterstützung benötigen. So unterschiedlich wie die Krankheitsgeschichten sind auch unsere Patienten: Sie sind in der Regel zwischen 20 und 80 Jahre alt, kommen aus allen Berufen und der gesamten Region Südwestsachsen.

Für Julia Zillmann war der Start mit viel neuem Input verbunden, doch besonders die individuelle Betreuung und die enge Abstimmung im Team gaben ihr Sicherheit. Die Erkenntnis, dass es nicht primär um die Einnahme von Medikamenten geht, sondern darum zu verstehen, welche Faktoren für sie bei ihren Schmerzen eine Rolle spielen und wie sie selbst darauf wirksam Einfluss nehmen kann, war für sie wegweisend. Fernab vom Alltagsstress konnte sie sich vollkommen auf sich selbst konzentrieren und Entspannung erfahren – eine Veränderung, die sie sogar beim Autofahren spürte, wo sie zunehmend weniger verkrampfte. Psychologe Joshua Blickle betont in diesem Zusammenhang: „Viele Patienten stehen mitten im Leben. Durch einen starken Leistungswillen und Durchhaltestrategien neigen sie dazu, sich zu übernehmen. In der Gruppentherapie mit bis zu maximal acht Personen lernen sie, dass Schmerz und psychische Belastung sich gegenseitig beeinflussen und dass sie mit ihren Beschwerden nicht allein sind.“

Auch die Angst vor körperlicher Belastung spielt eine große Rolle. Oberarzt Marcus Schlesinger erklärt, dass viele Betroffene nach Bandscheibenveränderungen – die häufig in den Vierzigern auftreten – ihr Bewegungsverhalten anpassen. Hier setzt das Team an, nimmt die Angst vor Verletzungen und vermittelt die richtigen Bewegungsabläufe in moderatem Maße. Von ärztlicher Seite koordiniert er die Behandlung von Beginn an, führt Aufklärungsgespräche und prüft Alternativen zur klassischen Medikation, wie physikalische Therapie oder gezielte Verhaltensänderungen.

Die 46-jährige Patientin hat heute eine deutlich bessere Lebensqualität. Während Schlafstörungen und eine hohe körperliche und zum Teil auch psychische Belastung vor der Therapie ihren Alltag bestimmten, liegt der Fokus nun auf einem angepassten Umgang mit den körperlichen Grenzen. „Es gab eine Zeit, in der ich nicht mehr lachen und nachts nicht mehr schlafen konnte. Jetzt geht es mir gut. Die Schmerzen sind zwar nicht ganz weg, aber ich kann mich wieder gut bewegen und komme ohne Medikamente zurecht. Ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen und Dinge auch mal liegen zu lassen. Mein Umfeld kommt damit gut zurecht und das bestärkt mich.“ Diese Umstellung spiegelt sich auch in ihrem Bewegungsverhalten wider: Anstelle der einst täglichen Stunde Kraft- und Ausdauersport praktiziert sie heute ruhige Disziplinen wie Yoga oder Pilates und achtet bewusst auf Regenerationsphasen. Während ihr körperliches Empfinden zu Beginn des Programms dem einer 80-Jährigen entsprach, beschreibt sie ihren Zustand heute als vergleichbar mit dem einer 55-Jährigen.

Der Behandlungsansatz basiert auf dem biopsychosozialen Modell, das Gesundheit und Krankheit durch das Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren versteht. Mithilfe einer Anstrengungsskala wird sichergestellt, dass jeder Patient in einem Korridor übt, der das Gehirn nicht mit ungünstigen Reizen oder Körpersignalen überfordert. Der Psychologe Joshua Blickle unterstreicht die Relevanz dieses ganzheitlichen Ansatzes: „Das Gehirn muss mit den Übungen einverstanden sein. Wir versuchen, viele kleine Stellschrauben zu drehen. Dabei spielen auch Gefühle eine wichtige Rolle, denn unangenehme Gefühle können den Schmerz verstärken.“ Das Ziel der Therapie sei es daher, den Menschen in seiner Gesamtheit zu betrachten.

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