Patienten können ab sofort Datennutzung zustimmen und damit Forschung unterstützen


| Datum: Montag, den 15.12.2025 um 10:50 Uhr

Testphase für Broad Consent beginnt: Patienten können ab sofort Datennutzung zustimmen und damit aktiv medizinische Forschung unterstützen

Um Erkrankungen besser zu verstehen und mit dem Wissen wirksamere Therapien entwickeln zu können, brauchen Forschende der Medizin möglichst viele Informationen: Woran erkrankt jemand? In welchem Alter? In welcher Region? Mit welchen Vor- und Nebenerkrankungen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen helfen dabei – je mehr, desto besser. Patientinnen und Patienten können Forschende und die medizinische Forschung unterstützen, indem sie der Verwendung ihrer Daten aus der Rountineversorgung für Forschungszwecke zustimmen. Ab sofort ist dies auch am Klinikum Chemnitz möglich. Voraussetzung dafür schafft das langjährige Projekt MiHUBx der Medizininformatik-Initiative (MII) mit dem Aufbau eines Datenintegrationszentrums (DIZ) in Chemnitz, welches durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. „Möglich wird das nur durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum und der Technischen Universität Dresden auf dem Gebiet der Lehre und Forschung“, sagt Dr. Frank Nüßler Gesamtprojektverantwortlicher MiHUBx und CIO des Klinikums. Derzeit wird getestet, wie sich der Ablauf der Zustimmung – Broad Consent genannt – in den stationären Aufnahmeprozess integrieren lässt.

Geplant ist, ab Beginn des neuen Jahres in den Regelbetrieb überzugehen. Dann werden alle Patienten, die stationär am Klinikum aufgenommen werden, gefragt, ob sie der Verwendung ihrer Daten zu Forschungszwecken grundsätzlich zustimmen oder nicht. In einem nächsten Schritt soll das Formular für die Datennutzung im Patientenportal des Klinikums bereitgestellt werden. Dann kann jeder Patient vorab zuhause und in Ruhe das Dokument lesen und entscheiden. Eine Zustimmung wird immer für fünf Jahre erteilt. Die Daten werden 30 Jahre revisionssicher aufbewahrt. Die Zustimmung ist freiwillig und kann jederzeit widerrufen werden. Es entsteht den Patienten kein Nachteil, wenn sie nicht zustimmen.

Die Daten werden anonymisiert gespeichert, so dass kein Rückschluss auf einzelne Personen möglich ist. Aufbereitet und verwaltet werden die freigegebenen Daten über das DIZ des Klinikums Chemnitz. Das Krankenhaus der Maximalversorgung ist deutschlandweit das erste nicht-universitäre Haus, das ein solches DIZ aufgebaut hat. Nutzungsanfragen für solche Daten können ausschließlich von Forschungseinrichtungen, Universitäten oder forschenden Unternehmen gestellt werden. Ein neu gegründetes Fachgremium des Klinikums – Use and Access Committee (UAC) genannt – entscheidet für jede Anfrage einzeln, ob gewünschte Daten zur Verfügung gestellt werden oder nicht. Sind zum Beispiel für eine Forschungsanfrage zu wenige Datensätze im DIZ vorhanden, wird die Anfrage abgelehnt, um die Anonymität zu wahren. Welche Forschungsprojekte der MII gerade mit Daten unterstützt werden, kann laufend unter dem Weblink https://www.klinikumchemnitz.de/medizin-pflege/studien-forschung/datenintegrationszentrum-diz/projekte eingesehen werden.

„Unser Ziel ist es, viele Patientinnen und Patienten dafür zu gewinnen, dass sie der Verwendung ihrer Daten zustimmen und so einen aktiven Beitrag für die medizinische Forschung zum Wohl aller Patienten zu leisten“, sagt Martin Bartos, Projektleiter des DIZ am Klinikum Chemnitz. Nur, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglichst viele Daten zur Auswertung zur Verfügung stehen, lassen sich medizinische Zusammenhänge und Trends effektiv erforschen.

Krankenhäuser müssen für die Aufnahme, Diagnose und Behandlung von Patientinnen und Patienten sehr viele Daten erfassen. In anderen Ländern werden diese schon seit langem für Analyse und Forschung genutzt. In Deutschland wurde am 26. März 2024 das Gesundheitsdatennutzungsgesetz erlassen. Das liefert die Voraussetzung medizinische Daten rechtssicher und mit Fokus auf die Einwilligung des Patienten nutzbar zu machen.

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